Eine Gemeinde im Weltkrieg

„Der 1. September des Jahres 1939, der Tag, an dem das Reich dem polnischen Terror mit seinen zahllosen Uebergriffen [sic!] durch Waffengewalt ein Ziel setzte, rief Front und Heimat in gleicher Weise zu Kampf und Einsatz auf. […] Aus der Erkenntnis, daß die dicht bevölkerten Industriezentren mit ihren lebenswichtigen Werken in besonderer Weise Gefahrengebiete darstellen, waren schon lange vor Ausbruch des Konfliktes wie an anderen Orten so auch in unserer Gemeinde Flakbatterien in Stellung gebracht – so u. A. in unmittelbarer Nähe der Christuskirche – und öffentliche Luftschutzkeller hauptsächlich an verkehrsreichen Straßen angelegt worden.“

Kriegschronik der ev. Kirchengemeinde Bismarck in Westfalen von Pfarrer Hans Maack, 1939 – 1943
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Bunker in Bismarck

Mit Zunahme der alliierten Luftangriffe wurde die Schaffung von Luftschutzräumen für die Bevölkerung immer dringlicher. Bereits seit 1938 waren bei Neubauten Luftschutzkeller Pflicht. Insgesamt 19 städtische Hochbunker wurden in den 1940er Jahren errichtet. Neben den „offiziellen“, im amtlichen Auftrag errichteten Bunkeranlagen und den Bunkern von Zechen und Betrieben gab es auch in Eigeninitiative angelegte provisorische Luftschutzkeller, Erdbunker oder Erdstollen. Eine wesentliche Rolle bei deren Bau spielten sogenannte „Luftschutz-Hausgemeinschaften“ und die Beteiligung von Berginvaliden, die als erfahrene „Tunnelgräber“ über das notwendige technische Know-How verfügten. Auch für den Luftschutz für die Kirchgänger der Bismarcker Gemeinde wurden entsprechende Vorkehrungen getroffen.

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Zerstörung der Christuskirche

In der Nacht vom 3. auf den 4. Juni 1940 starten alliierte Kampfflieger das erste Bombardement der Industriestadt Gelsenkirchen. Hinter dem Altarraum der Bismarcker Christuskirche detoniert dabei eine Fliegerbombe. Zwar bleibt der Baukörper der Kirche hierbei unversehrt, die erzeugte Druckwelle reicht aber aus, sämtliche fünf Altarfenster, die mit Glasmalereien der vier Evangelisten sowie Christus als gutem Hirten geschmückt sind, zu zerbrechen. Die Fenster werden mit Holz geschlossen, ihre Reparatur auf die Zeit nach dem Krieg verschoben.

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Die Befreiung GE-Bismarcks

Einmarsch der US-Truppen und Schließung des Ruhrkessels

Im Frühjahr 1945 rückten US-amerikanische Truppen von Westen ins Rheinland und Ruhrgebiet vor. Die Hauptrolle bei der Befreiung Gelsenkirchen-Bismarcks spielte das aus Nebraska stammende 134. Infanterieregiment, Bestandteil der 35. Infanterie-Division. Es war bereits im Juli 1944 nach einem Aufenthalt in England auf dem europäischen Festland abgesetzt worden und hatte Gefechte in Frankreich, Luxemburg und Belgien bestritten. Am 25. März 1945 überquerte es den Rhein und rückte in Richtung Ruhrgebiet vor. Fünf Tage später startete der Angriff auf Gelsenkirchen-Buer. Nach laut regimentseigenen Unterlagen eher leichten Kampfhandlungen wurde das Regiment in Resse, Herten und Westerholt einquartiert. Am 8. April war das Ruhrgebiet eingekesselt. Es folgten in den ersten Apriltagen nächtliche Patrouillen über die Emscher und den Rhein-Herne-Kanal, deren Überquerung schließlich für den 9. April vorbereitet und plangemäß durchgeführt wurde.

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Alltag unter der Besatzung

Von den Zeitzeugen werden die amerikanischen G.I.s übereinstimmend als weitgehend freundlich und anständig bezeichnet. Allerdings gibt es auch einige wenige Berichte über schlechtes Benehmen und aus den Reihen der Truppe selbst Meldungen über Plünderungen und Vergewaltigungen, die durch die Militärpolizei geahndet wurden. Einhellige Anerkennung und Bewunderung erregten die teils hünenhaften Gestalten der US-Rekruten, vor allem der wenigen Schwarzen unter ihnen.

„Einen Panzer haben sie in das Gebüsch zum Haverkamp hin gefahren; Die Bedienung sind Hünen von Schwarzen. […] Und die Nazis wollen bei diesen stämmigen Menschen mit guter Ausrüstung noch siegen!“

Chronik der Stadt Gelsenkirchen für das Jahr 1945, bearbeitet von Dr. Wilhelm Niemöller, Seite 74
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Wiederaufbau

Den Wiederaufbaubeschluss für die zerstörte Christuskirche fasste das Presbyterium einstimmig nach einer Begehung und Begutachtung der Ruine 1946. Die Wiederherstellung der Kirche war der Gemeinde ein Anliegen: Unter reger Beteiligung von Jung und Alt wurden ab April 1947 das zerstörte Dach und die Trümmer im Innenraum entfernt und Sicherungsarbeiten begonnen. Von Pfarrer Hans Maack, der sich in Arbeitskluft warf und beherzt zupackte, so dass Nichteingeweihte ihn gern mit einem „Vorarbeiter“ verwechselten bis hin zu den Konfirmandinnen und Konfirmanden: alle faßten mit an und trugen ihren Teil bei.

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Vereinfachung des Innenraums

Nach den erheblichen Zerstörungen wurde das Innere der Christuskirche vereinfacht wiederhergestellt. Statt des hölzernen Gewölbes wurde eine stählerne Dachkonstruktion eingezogen, die eine abgehängte Decke erforderlich machte. Hierdurch wurde eine Sichtbarkeit der großen Fensterrosette über dem Eingangsportal im Kircheninneren verhindert. Schmucklose flache Segmentbögen trugen die Emporen, auch der Triumphbogen wurde wesentlich flacher als ursprünglich gestaltet. Die ornamentale Ausmalung der Innenwände wich einer nüchternen neutralen Farbfassung. Auch Altar, Kanzel und Taufbecken wurden nun wesentlich einfacher einheitlich aus Holz gefertigt. Als Relikte der Bauzeit blieben die Konsolen unter der Orgelempore und die Kirchenbänke erhalten. Zusammen mit den Gemälden der Gefallenenehrung von 1924 an der Ostwand, die 1950 aus dem Tresor geholt und wieder angebracht wurden und den neuen farbigen Kirchenfenstern, milderten diese die strenge Nüchternheit des modernen Innenraums etwas ab.

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Neue Kirchenfenster

Da die Kirchenfenster sämtlich zerstört waren, mußten sie komplett erneuert werden. Aus Kostengründen entschied das Presbyterium, nur die drei zentralen Altarfenster figürlich ausgestalten zu lassen und alle anderen Fenster mit geometrischen Formen zu schmücken sowie die nur noch von außen sichtbare Rosette mit dem Christusmonogramm zu zieren. Bei den Altarfenstern wurde jedoch nicht an die ursprüngliche Thematik (Christus als guter Hirte und die vier Evangelisten) angeknüpft, vielmehr blieben die beiden äußeren Fenster geometrisch-ornamental während im zentralen Rundfenster (das Langfenster darunter wurde zugemauert und ist heute nur noch von außen erkennbar) eine Darstellung des segnenden endzeitlichen Christus (auf dem Regenbogen sitzend und mit aufgeschlagenem Buch des Lebens) sowie Glasmalereien von Mose mit den Gebotstafeln sowie Johannes dem Täufer mit Lamm-Gottes-Fahne in den Rundungen der beiden flankierenden Langfenster vorgesehen wurden – eine Vergegenwärtigung des Gesetzes und seiner Erfüllung und Überwindung durch die Botschaft und das Leiden Christi.

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Wiedereinweihung

Nachdem der Wiederaufbau der Christuskirche 1949 schon so weit gediehen war, dass sie in Einzelfällen kurzzeitig wieder gottesdienstlich genutzt werden konnte, waren Ende 1950 fast alle relevanten Arbeiten abgeschlossen, so dass, wenngleich einige baulichen Ausführungen noch bis 1952 andauerten, das Gotteshaus „in neuem Glanz“ am 3. Adventssonntag, dem 17. Dezember 1950, feierlich wieder eingeweiht werden konnte. Julius Ewald Ernst Wilm (1901-1989), seit 1949 zweiter Präses der 1945 gegründeten Ev. Kirche von Westfalen, nahm die Kirchweihe vor, in Anwesenheit des Superintendenten Kluge und der Gemeindepfarrer Maack, Saß und Künkler. Zugleich mit der Weihe beging man in diesem Festgottesdienst auch das (freilich ein Jahr verspätet gefeierte) 75jährige Gemeindejubiläum und das 40jährige Bestehen des Kirchenchores.

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